Nächste Filmtermine:

19.07. Bayreuth um 20h, Forum Phoinix www.himmelgruen.net

06.10. Lauf a.d. Pegnitz um 19h, vhs

12.10. Nürnberg (Zeit und Ort werden noch bekannt gegeben, DFV Franken Nürnberg)

01.11. Offingen um 17h – Donaulichtspiele

24.11. München um 18h Kreativgarage am Ackermannbogen - Doublelefeature mit „Halt durch Dirndl“ Film über Centa Herker.

29.11. um 19h München, Carl-Amery-Saal; Film und Diskussion – Veranstalter: Petra-Kelly-Stiftung in Kooperation mit der Münchner Stadtbibliothek

 
 
"Es geht durch die Welt ein Geflüster"
ZeitzeugInnen der Münchner Revolution & Räterepublik  1918/19 berichten
 
 

Zwischen dem 7. November 1918 und dem 1. Mai 1919 ändert sich das politische Gesicht Baierns vollständig: In München, dem Hauptschauplatz der Revolution wird die Monarchie gestürzt. In der Nacht zum 8. November ruft Kurt Eisner den Freistaat Baiern aus und wird erster Ministerpräsident: In der Folge kämpfen revolutionäre und reaktionäre Kräfte ein halbes Jahr lang mit allen Mitteln um die Macht. Der Dokumentarfilm „Es geht durch die Welt ein Geflüster“ entstand zum 70. Jahrestag der Münchner Revolution und Räterepublik im Jahr 1988/89, das sich dieses Jahr zum 100. Mal jährt. Er verwebt zeitgeschichtliche Film -und Fotodokumente und Interviews. Zu Wort kommen die damals bereits hochbetagten ZeitzeugInnen: Kommunisten, Sozialisten, Anarchisten wie Centa Herker, Hugo Jakusch und Helmut Lichtinger.

Zum Schutz vor rechtsradikalen Übergriffen hatten sich einige der ProtagonistInnen damals anonymisieren lassen. So tritt die bekannte Kommunistin und Antifaschistin Centa Herker-Beimler unter dem Namen Rosa auf und der Anarchist Benno verzichtet auf die Nennung seines Nachnamens. „Es geht durch die Welt ein Geflüster" ist der erste Dokumentarfilm der Filmemacherin Ulrike Bez und ist gleichzeitig eines der ganz wenigen Bewegtbilddokumente, das den ZeitzeugInnen aus dem linken Spektrum eine Stimme gibt. Viele der damaligen ZeitzeugInnen wurden durch die Ereignisse 1918/19 politisiert und waren mutige Kämpfer für die Freiheit. Einige von Ihnen wurden während der Nazidiktatur verfolgt und im KZ inhaftiert. Die meisten blieben ihr ganzes Leben politisch aktiv. Ihrem Andenken ist dieser Film gewidmet.

Buch & Regie Uli Bez D 1989  43 Min.                                                                                                    Kamera Petra Gerschner Ton Michael Backmund                                                                                     Schnitt Wolfgang Grimmeisen                                                                                              Recherchekollektiv: Ulrike Bez  Petra Gerschner  Michael Backmund                                                        Produktion Peider A. Defilla/B.O.A. und Ulrike Bez

warum gescheitert:  Nach dem Scheitern des `Deutschen Reiches´ 1918 greift eine sehr junge Generation leidenschaftlich nach der Freiheit. Beflügelt von revolutionären Idealen preschen sie in wenigen Wochen nach vorne, fegen das marode System hinweg und stellen, mit Kurt Eisner an der Spitze, den sozialistischen Freistaat Baiern auf. Ihr Scheitern aber ist nur eine Frage der Zeit. Die Reaktion marschiert und die Münchner Räterepublik wird mit äußerster Brutalität niedergeschlagen. Reaktion und Kapital bereiten Hitler den Weg. Ein historisch tragisches Scheitern in 4 Monaten und so spannend, dass es in keinem Schulbuch steht.

Unser Kommentar: Diese ungewöhnlich und gut recherchierte Doku über 4 Monate Morgenröte der jungen aber gebeutelten deutschen Repubik handelt vom Scheitern eines Ideals. Bayern als Wiege der Basisdemokratie, unglaublich aber wahr. Auch das ist bayrisch: Man mus sich anpassen, aber aufpassen zu sagen, es passt mir nicht (E.Mühsam). Das Anarchische liegt den Bajuwaren im Blut. Aber damals schon lief die SPD hinterher, blockierte und moppte, machte gegen ihr eigenes Klientel mit den bürgerlichen Lager gemeinsame Sache. Unserem Land wäre einiges erspart geblieben, hätte es keinen Ritter von Epp gegeben. Dennoch: in München geht die Kurt-Eisner-Str. vom Karl-Marx-Ring ab, weit ab vom Zentrum, vom Gewissen. Auch wenn die spannenden Erzählungen der Zeitzeugen als des Guten zuviel erscheinen, wäre den bayerischen Schulen zu wünschen, mind. 1 Exemplar dieses Films im Regal zu haben. Letztlich um dem Infotaintment eines Guido Knops Sinnvolles entgegenzusetzen und die Geschichte als Spürbares und das Revolutionäre als Nahes entdecken können.
Quelle: http://der-gescheiterte-film.com/archiv.html