Derzeit im Stadtmuseum München:
Ausstellung: Revolutionär und Ministerpräsident – Kurt Eisner (1867-1919)     
12.05. – 08.10.2017 im Stadtmuseum mehr Infos
Nächster Filmtermin:
06.02. 2018 München, Filmmuseum

 

"Es geht durch die Welt ein Geflüster"

ZeitzeugInnen der Münchner Revolution & Räterepublik  1918/19


 

 

 

 

 

Zwischen dem 7. November 1918 und dem 1. Mai 1919 ändert sich das politische Gesicht Bayerns vollständig: In München, dem Hauptschauplatz des Umbruchs wird die Monarchie gestürzt. In der Nacht zum 8. November in der ersten Sitzung der Arbeiter- und Soldatenräte  ruft Kurt Eisner den Freistaat Bayern aus und wird erster Ministerpräsident: "Die Dynastie der Wittelsbacher ist abgesetzt und Baiern ist fortan ein Freistaat." In der Folge kämpfen revolutionäre und konservativ-reaktionäre Kräfte ein halbes Jahr lang mit allen Mitteln um die Macht.

Der Dokumentarfilm „Es geht durch die Welt ein Geflüster“ entstand zum 70. Jahrestag der Münchner Revolution und Räterepublik im Jahr 1988/89. Er verwebt zeitgeschichtliche Filmdokumente und Interviews. Zu Wort kommen die damals bereits hochbetagten ZeitzeugInnen: Kommunisten, Sozialisten, Anarchisten wie Centa Herker, Hugo Jakusch, Helmut Lichtinger u.a.

Buch & Regie: Uli Bez

Produktion BOA Videofilmkunst

Film auf DVD 43 Min.

Rezension von hwmueller/Festival des Gescheiterten Films:

warum gescheitert:  Nach dem Scheitern des `Deutschen Reiches´ 1918 greift eine sehr junge Generation leidenschaftlich nach der Freiheit. Beflügelt von revolutionären Idealen preschen sie in wenigen Wochen nach vorne, fegen das marode System hinweg und stellen, mit Kurt Eisner an der Spitze, den sozialistischen Freistaat Baiern auf. Ihr Scheitern aber ist nur eine Frage der Zeit. Die Reaktion marschiert und die Münchner Räterepublik wird mit äußerster Brutalität niedergeschlagen. Reaktion und Kapital bereiten Hitler den Weg. Ein historisch tragisches Scheitern in 4 Monaten und so spannend, dass es in keinem Schulbuch steht.

Unser Kommentar: Diese ungewöhnlich und gut recherchierte Doku über 4 Monate Morgenröte der jungen aber gebeutelten deutschen Repubik handelt vom Scheitern eines Ideals. Bayern als Wiege der Basisdemokratie, unglaublich aber wahr. Auch das ist bayrisch: Man mus sich anpassen, aber aufpassen zu sagen, es passt mir nicht (E.Mühsam). Das Anarchische liegt den Bajuwaren im Blut. Aber damals schon lief die SPD hinterher, blockierte und moppte, machte gegen ihr eigenes Klientel mit den bürgerlichen Lager gemeinsame Sache. Unserem Land wäre einiges erspart geblieben, hätte es keinen Ritter von Epp gegeben. Dennoch: in München geht die Kurt-Eisner-Str. vom Karl-Marx-Ring ab, weit ab vom Zentrum, vom Gewissen. Auch wenn die spannenden Erzählungen der Zeitzeugen als des Guten zuviel erscheinen, wäre den bayerischen Schulen zu wünschen, mind. 1 Exemplar dieses Films im Regal zu haben. Letztlich um dem Infotaintment eines Guido Knops Sinnvolles entgegenzusetzen und die Geschichte als Spürbares und das Revolutionäre als Nahes entdecken können.

Quelle: http://der-gescheiterte-film.com/archiv.html