Ein klassischer Dokumentarfilm, so wie ich ihn verstehe, versucht nicht, die Wirklichkeit abzubilden, sondern macht den Filmstoff sinnlich erfahrbar. Dies kann nur gelingen, wenn kein journalistischer Kommentar zwischen Film und Publikum steht. Als Filmemacherin bin ich Komplizin meines Filmstoffs.

Hannah Arendt beschrieb ihre philosophische Praxis als "Denken ohne Geländer". In Anlehnung an sie bezeichne ich meine Arbeit als "Filmemachen ohne Geländer".

Diese Praxis erschafft durch ihre Radikalität einen phantastischen Moment der Nähe. Dieser unverfälschten ZeitRaum kommt dem nahe, was Ernst Bloch in `Das Prinzip Hoffnung´ als Heimat beschrieben hat.*

© Uli Bez im Mai 2018

"Der Mensch lebt noch überall in der Vorgeschichte, ja alles und jedes steht noch vor Erschaffung der Welt, als einer rechten. Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfaßt und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat." (Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung 1628)

 

B2 Eins zu Eins - Der Talk am 27.4.2017

Achim Bogdahn im Gespräch mit Uli Bez